HR-Reporting und Controlling : Personalkataloge
September 26th, 2011
HR-Reporting und Controlling : Personalkataloge
Schon im Spätmittelalter waren Listen als Personalübersichtungen gebräuchlich.
Wer den Film Der Name der Rose gesehen hat oder auch den Roman von Umberto Eco, http://www.umbertoeco.com gelesen hat, kann sich bestimmt an Bernardo Gui den Inquisitor und Dominikanermönch erinnern: 1277 kompilierte er z.B. eine Personalliste für seinen Orden.
Die Jesuiten erfanden im 16. Jahrhundert also nicht das Führen von Personalübersichten. Neu ist aber die Regelmäßigkeit der Berichterstattung und die flächendeckende Ausbreitung in alle Provinzen, auch in die Missionen in Südamerika.
Reporting und Employer Branding
Über die Erfassung der Anzahl der Ordensmitglieder und deren Tätigkeiten, also die administrative Seite hinaus, hatten die Statistiken auch eine weitere Funktion für den Orden, denn sie stifteten Identität. Bei heutigen Unternehmen sprechen wir von Corporate Identity, die dem Employer Branding vor geht.
So notierte Antonio Tresutto , ein einfacher Jesuit aus Tivoli, die Mitgliederzahlen für 1600 und 1608 in seinem Tagebuch. Sie waren in dieser Zeit von 8000 auf 10.501 Mitglieder angewachsen. Laut dem Historiker Markus Friedrich, ermöglichten die Statistiken nicht nur die „Steuer- und Regierbarkeit, sondern leisteten auch einen Beitrag zur Einheitsstiftung einer global wachsenden Organisation, indem sie diese repräsentierte, konkretisierte und vorstellbar machten. (vgl. Seite 309)
Datenschutz
Die Personalkataloge der Jesuiten wurden quasi in doppelter Buchführung angefertigt. Im ersten Katalog wurden nur die Personalien erfasst und mit einer Nummer versehen, im catalogus secundus waren die Personalbewertungen unter dieser Nummer registriert.
Es gab in der frühen Neuzeit ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Statistiken und exakten Bevölkerungszahlen. Die Faszination für Statistiken und Zahlen hat sich ja bis heute gehalten!
Problemlos war das Erstellen der Kataloge und Personalübersichten nicht: Inwiefern die Berichte aus den Provinzen mit der damaligen Realität übereinstimmen, lässt sich nicht mehr immer eindeutig bestimmen, schon damals wurde die Berichtserstattung als Instrument der Selbstdarstellung gegenüber Rom genutzt.
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